Domenica Niehoff

03.08.1945 - 12.02.2009



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Domenica Niehoff, bekannt als Domenica, war eine ehemalige Edel-Prostituierte, Domina und Streetworkerin in Hamburg. Sie gilt als Deutschlands prominenteste ehemalige Prostituierte. Bekannt wurde sie vor allem durch Auftritte in TV-Talkshows in den 1980er Jahren, in denen sie für die Anerkennung und Legalisierung des Berufsstands der Prostituierten kämpfte. Ihre Mutter Anna floh mit ihren Kindern aus einer Ehe mit einem gewalttätigen Ehemann. Sie hielt ihre Kinder mit kleinen Betrügereien über Wasser, wurde jedoch bald verhaftet. Niehoff wuchs daraufhin mit ihrem Bruder bis zu ihrem 14. Lebensjahr in einem katholischen Waisenhaus auf. Sie erlernte den Beruf einer Buchhalterin. Mit 17 Jahren lernte sie einen 42jährigen Bordellbesitzer kennen, den sie später heiratete. Nach zehnjähriger Ehe, 1972, als Niehoff 27 Jahre alt war, nahm sich ihr Mann das Leben. Im gleichen Jahr begann sie im Hamburger Palais d'Amour (Großbordell) und in der Herbertstraße als Prostituierte zu arbeiten. Später betrieb sie ein eigenes Studio und wurde als üppige Domina bekannt. 1979 erreichte sie deutschlandweit Bekanntheit und avancierte in den 80er Jahren durch zahlreiche Medienauftritte zum gefragten Medienstar und zur prominentesten Prostituierten Deutschlands. In TV-Talkshows trat sie als Vorkämpferin für die Rechte von Prostituierten, die Anerkennung und die Legalisierung des Berufsstands der Prostituierten auf. Als bekannte Prostituierte kam sie in Kontakt mit Prominenten aus Kunst und Kultur und diente ihnen als Muse. Die Popgruppe Trio bildete auf dem Plattencover der Single „Bum Bum“ nichts weiter als das tief ausgeschnittene Dekolleté der Hamburger Prostituierten ab. Auf den Brüsten stehen - mit Lippenstift gezeichnet - die beiden Worte „Bum“ und „Bum“. Zunächst sollte das Foto aus Gründen des Jugendschutzes verboten werden, durfte dann aber doch für das Cover der Single verwendet werden - sie spielte auch im gleichnamigen Musikvideo der Band mit. Der Schriftsteller Wolf Wondratschek widmete ihr Gedichte, er schwärmte „eine Hure bis hinein in ihr großes träges Herz“, „und bis in die Beine eine Frau“, „wenn sie mit dem Hintern wackelt, fließen die Flüsse bergauf“. Niehoff verkehrte gesellschaftlich u.a. mit Tomi Ungerer, Horst Janssen, Alfred Hrdlicka und dem Ehepaar von Thurn und Taxis. Sie trat in mehreren Filmen auf, u.a. "Messalina – Kaiserin und Hure" 1980, "Taxi nach Kairo" 1987, "Fernes Land Pa-isch" 1994. 1993 drehte der Regisseur Peter Kern einen dokumentarischen Spielfilm über ihr Leben, der von Kritikern jedoch als zu langatmig bewertet wurde. 1990 beendete sie ihre Tätigkeit als Prostituierte und arbeitete verstärkt in sozialen Projekten. 1991 war Niehoff Mitinitiatorin des Prostituierten-Hilfsprojektes Ragazza e. V. im Hamburger Stadtteil St. Georg. Sie betreute als Sozialarbeiterin junge drogensüchtige Mädchen und Frauen, die ihre Sucht durch Prostitution finanzierten und aus der Prostitution aussteigen wollten. 1997, mit 52 Jahren, gab sie ihre Mitarbeit auf. Der Hamburger Morgenpost sagte sie: „Ich halte das nicht mehr aus [...] Mir sind mehr als ein halbes Dutzend Mädchen weggestorben an einer Überdosis Gift, an Aids, und eine wurde ermordet. Das hält man vielleicht als 35jährige aus, aber nicht mehr mit meinen 52 Jahren.“ Anlässlich der Internationalen Comic-Tage in Hamburg 1993 widmeten ihr neun bekannte Comiczeichner ein Portfolio mit neun Blättern. 1994 veröffentlichte sie ihre Autobiographie „Körper mit Seele – Mein Leben“, die von Hans Eppendorfer aufgezeichnet wurde. Zum Besuch von Papst Johannes Paul II. in Berlin 1996 sprach Niehoff in einem papstähnlichen Gewand bei einer Demonstration die Transsexuelle Charlotte von Mahlsdorf „heilig“, was konservative Politiker von der CSU veranlasste, im Bundestag einen Gesetzentwurf vorzustellen (Beschimpfung eines religiösen Bekenntnisses ohne Störung des öffentlichen Friedens), der jedoch von den übrigen Parteien abgelehnt wurde. 1998 bis 2000 betrieb sie am Hamburger Fischmarkt eine kleine Kneipe („Fick“), die sie aus finanziellen Gründen (20.000 DM Steuerschulden) schließen musste. 2001 starb ihr Bruder. Heute lebt sie in Boos (Eifel) in dem von ihrem Bruder geerbten Haus. Aus der Erbschaft konnte sie nach eigenen Angaben ihre Verbindlichkeiten begleichen. Die Ausstellung Sexarbeit Prostitution - Lebenswelten und Mythen im Museum für Arbeit Hamburg schenkte berühmten Prostituierten wie Rosemarie Nitribitt, Christine Keeler und auch Domenica Niehoff besondere Beachtung (4. November 2005 bis 7. Mai 2006). Domenica Niehoff starb im Februar 2009 im Allgemeinen Krankenhaus Altona in Hamburg an den Folgen eines Lungenleidens.

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